«Wir wollten eine friedliche Demo»

Demo-Veranstalter bedauern die Sachschäden - Verein Rümpeltum distanziert sich von den Vorfällen

Die Teilnehmer waren vermummt, der Anlass nicht bewilligt. Es kam zu Schäden und Sprayereien. Nun recht-fertigen sich die Veranstalter für ihre Demonstration.

Daniel Steiner

Am Samstagabend zogen 300 Linksautonome durch die Innenstadt, um gegen Rechtsextremismus, Sexismus und Faschismus zu demonstrieren. Die Anliegen der Veranstalter verschwanden jedoch unter den Sachbeschädigungen von Mitläufern.

Organisiert wurde die Demo «von ungefähr 10 Leuten», wie H. (Name der Redaktion bekannt), einer der Initianten, sagt. Sie gehören zu der Gruppe Lagro (Libertäre Aktion gegen Rassismus Ostschweiz). Zum «antifaschistischen Abendspaziergang» haben sie via Flugblätter und Internet aufgerufen. Regelmässige Übergriffe von Rechtsextremen in kleineren Regionen rund um St. Gallen hätten die Demo ausgelöst, schreiben sie. «Wir wollten eine friedliche Demo.»

Demonstration missbraucht

Er bedaure, dass es zu Sachbeschädigungen gekommen sei, sagt H. «Aber es ist falsch, nun alle Teilnehmer zu verurteilen und die Gründe des Anlasses in den Schatten zu stellen.» Als Organisatoren hätten sie alles versucht, um die Schäden zu verhindern. Trotzdem habe es drei, vier Einzeltäter gegeben, die «im Schutze der Demonstration» ungeachtet Schaden anrichten konnten. «Der Täter, der bei der Grabenhalle die Scheibe einer Telefonkabine einschlug, wurde von der Demonstration ausgeschlossen», sagt H. Von den Schäden im Kerzenziehzelt habe er erst am Montag aus den Medien erfahren. «Das müssen Einzeltäter gewesen sein, die Freude daran finden, Gegenstände zu zerstören», sagt er. «Wir distanzieren uns von diesen Mitläufern, die es geschafft haben, die Demo in ein schlechtes Licht zu stellen.» Wegen den Sachbeschädigungen seien ihre Anliegen zu sehr in den Hintergrund geraten, bemängelt der Veranstalter. Es seien mehrere Reden und Ansprachen gegen Rassismus gehalten worden. Die Organisatoren der Demonstration haben es nicht als nötig erachtet, eine Bewilligung für die Kundgebung einzuholen. «Wenn wir uns gegen Rassismus wehren, dann müssen wir niemanden fragen», begründet H. Vor allem die vermummten Gestalten im Demonstrationszug trafen auf Unverständnis in der Bevölkerung. «Wir wollen den Rechtsextremen keine Möglichkeit geben, sich an uns zu rächen», erklärt H. Für die Polizei hat er lobende Worte: «Die Polizei hat richtig gehandelt.» Sie hätten gemeinsam die Route besprochen. «Wäre die Polizei eingeschritten, hätte es schlimmere Folgen haben können.»

«Polizei sucht Sündenbock»

Nichts mit der Demo zu tun haben will der Verein Rümpeltum. Sie sind entsetzt, weil sie im Zusammenhang mit der unbewilligten Demonstration erwähnt wurden. «Dabei hatten wir gar nichts damit zu tun», schreibt der Verein in einer Stellungnahme. Ihrer Ansicht nach suche die Polizei einen Sündenbock, nachdem sich die Schuldigen nicht finden liessen. Sie hätten die Demonstration nicht organisiert und distanzieren sich von den Vorfällen. «Wir verurteilen die unnötigen Randale, besonders die Beschädigungen des Kerzenzieherzeltes», schreibt der Verein.

Kontakt gesucht

Er bleibe dabei, dass an der Demonstration Leute aus dem Umfeld des Rümpeltums erkannt worden seien, sagt Polizeikommandant Pius Valier. Damit sei überhaupt nichts über die Organisatoren der Demo gesagt.

Die Polizei habe via Flugblätter und Internet von der Demo erfahren. «Wir versuchten ständig, mit den Organisatoren Kontakt aufzunehmen.» Am Samstag habe man etwa zwei Stunden vor Demo-Beginn gewusst, wie viele sich per Bahn nach St. Gallen bewegten. Ein OK war auch dann nicht zu erkennen. Erst nach langem Suchen konnte ein Mann eruiert werden, der offenbar zu den Organisatoren gehörte. Als sich der Zug in Bewegung setzte, sei er aber in der Menge verschwunden. Unterwegs habe die Polizei immer wieder versucht, mit verschiedensten Personen in Kontakt zu treten. Vergeblich. Die Vorkommnisse vom Samstag beschäftigen auch den Gemeinderat. In einer von fast der Hälfte des Parlaments unterzeichneten Interpellation von Felix Reut (SVP) wird die Aktion in aller Schärfe verurteilt. Zudem wird Aufklärung zum Vorfall verlangt. «Wie könnte in der Stadt ein Vermummungsverbot eingeführt werden?», wird unter anderem gefragt. (mar)

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