Rastas und Krawatten

Verein Rümpeltum wird mit dem ersten Dietschweiler-Preis ausgezeichnet

Vergangenen Freitag hat der Verein Rümpeltum den Dietschweiler-Preis erhalten, der zum ersten Mal verliehen wurde. Das Preisgeld von 15 000 Franken soll in eine Lüftungsanlage investiert werden.

Carlos Hanimann

«Kein Geld mehr fürs Rümpel-tum!», hiess es auf anonymen Flugblättern, die vor rund einem Jahr auftauchten. Damals war der Verein Rümpeltum fälschlicherweise als Organisator einer antifaschistischen Kundgebung bezeichnet worden, bei der es zu erheblichen Sachbeschädigungen gekommen war. Diese Zeiten sind passé. Nach etlichen Rückschlägen erhält das Rümpeltum wieder einen Schub nach vorne. Am Freitag hat die Ria & Arthur- Dietschweiler-Stiftung zum ersten Mal einen Preis verliehen, der Projekte für Kinder und Jugendliche im Raum Ostschweiz unterstützen soll. 15 000 Franken beträgt die Preissumme, die ans «Rümp» geht.

Eröffnung im Frühling

Rund 60 Personen waren bei der Preisverleihung im neuen Rümpeltum anwesend - Herren mit Krawatte und Jugendliche mit Rasta-Locken. Es gab, wie es sich für eine Preisverleihung gehört, Wein und Bier, Brötchen und Gebäck, gedimmtes Licht und Live-Jazz als musikalische Untermalung. Natürlich gab es auch Reden - von Arthur Dietschweiler, den Rümpeltum-Leuten und auch von André Gunz, dem Kulturbeauftragten der Stadt St. Gallen (siehe Kasten). Alles etwas gar chic für das Rümpeltum, wie eine Besucherin bemerkte. Dennoch, man freute sich über den Preis und das Geld. Die 15 000 Franken sollen in eine Lüftungsanlage investiert werden. Schliesslich sollen künftig bis zu 200 Leute im Rümpeltum Platz finden. Doch bis dahin dauerts noch: Im Untergeschoss entsteht eine Bar mit Billardtisch und Auflagen zum Feuerschutz müssen auch noch erfüllt werden. Im Frühling, so hofft man, kann das Rümpeltum seine Tore öffnen.

«Enormer Durchhaltewille»

So zuversichtlich konnte der Verein Rümpeltum nicht immer sein. Das Ziel, einen alternativen, unkommerziellen Freiraum frei von Konsumzwang zu schaffen, war und ist nicht leicht zu erreichen. Immer wieder gab es für das Rümpeltum Rückschläge zu verkraften. Im Mai 2002 zum Beispiel wurde das erste Rümpeltum zusammen mit dem Haus St. LeonhardStrasse 74/76 abgerissen. Es musste dem umstrittenen Bürohaus «Sankt Leopard» weichen. Damals trat der Verein mit der Dietschweiler-Stiftung in Kontakt. Im Februar 2003 entschied der Stiftungsrat, den Wiederaufbau des Rümpeltums an der Haldenstrasse während dreier Jahre zu unterstützen. Der «enorme Durchhaltewille» der Rümpeltum-Leute sei einer der Hauptgründe für die Unterstützung gewesen, erklärte Doris Konrad, Geschäftsführerin der Dietschweiler-Stiftung. Seit Anfang Jahr liegt eine Baubewilligung vor, um das Haus Haldenstrasse 23 zum neuen Rümpeltum umzubauen. Mit dem Geld des Preises ist der Ver-ein Rümpeltum seinem Ziel ein grosses Stück näher gekommen.

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